lieber an schulen sparen

9. August 2026 - Lesezeit: 3 Minuten

nürnberg wird von einem csu-oberbürgermeister regiert. ihm zur seite steht die spd als juniorpartner.
da die finanzsituation der halbmillionenstadt bedrohliche ausmaße annahm, rang sich die stadtspitze zu einer haushaltssperre durch. wenn man kein geld hat, kann man bekanntlich keins ausgeben.

"kein geld" ist in nürnberg aber relativ. obwohl offensichtlich fast pleite, leistet man sich zwei höchst umstrittene megaprojekte.

zum einen soll das opernhaus komplett renoviert werden. das bedeutet nicht nur die renovierungskosten der bestehenden staatsoper, sondern auch einen neubau für die zwischennutzung im innenhof der kongresshalle aus der nazizeit.
die ausweichoper kostet 296 millionen euro und die hauptsanierung des opernhauses nochmal ca. 800 millionen bis 1 milliarde euro.
klar gibt der bayrische staat (also wir steuerzahler) einen großteil der summe dazu, aber bei der stadt bleiben 30% bzw. 25% der kosten übrig, also 88,8 und 225 millionen euro.
in summe 314 millionen euro für nürnberg.

insgesamt eine milliarde euro für 800 plätze in der neuen oper, die danach jährlich fifty-fifty mit 50 millionen euro von stadt und freistaat subventioniert werden muss.
pro sitzplatz pro jahr 62.500 euro!



der zweite riesenposten im haushalt ist der ausbau des frankenschnellwegs. der frankenschnellweg ist eine autobahn-ähnlich ausgebaute 4-spurige schnellstraße durch nürnberg, die im mittleren bereich drei kreuzungen mit ampeln hat.
die heutige situation verhindert, dass urlauberströme und lkw-verkehr den kürzeren weg quer durch die stadt nehmen. sie werden auf der a3 und a9 weitläufig um die stadt geleitet.

in der rushhour ist der frankenschnellweg trotzdem oft verstopft und produziert staus. wie sieht die lösung der stadt nürnberg aus? einen tunnel bauen und oberirdisch die verteilerstraßen drauf packen. und am südrand des projekts einen alibi-park anlegen.
ein mega aufwand dafür, dass man sich im endeffekt noch mehr verkehr in die stadt holt. anstatt intelligente lösungen für die paar stunden pro woche zu finden, wo es sich tatsächlich staut.

auch hier macht der staat (also wir) den großen geldbeutel für die co-finanzierung der geschätzten 1,1 milliarden euro kosten auf. bei der stadt bleiben 400 millionen euro eigenanteil.

allein für diese beiden fragwürdigen projekte kann die stadt nürnberg 714 millionen euro schultern. respektabel für eine pleitestadt!

(von den wahrscheinlichen 200 millionen für den stadion-umbau (1. fc nürnberg) ganz zu schwiegen.)

diese zahlen führten natürlich zu viel kritik innerhalb der stadt.
und was sagt die stadtspitze dazu, dass man doch hier viel geld sparen könnte?

"lieber an schulen sparen."
das kam vom bau-bürgermeister und nürnberger spd-chef nasser ahmed auf einer pressekonferenz.
lieber die geldigen liebhaber der hochkultur mit einem füllhorn an subventionen umschmeicheln und beton-geld wie in den 70ern ausgeben als marode schulen renovieren, von denen es in nürnberg unzählige gibt.

irgendwo ist diese spd in den letzten jahren einmal komplett falsch abgebogen.

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