manchmal liest man ja die etiketten auf den weinflaschen etwas genauer. und dieses mal fand sich der name des weinanbaugebiets deutlich auf der flasche: rheinhessen. und dazu eine postleitzahl, die mit 55 beginnt.
komisch, denn hessische postleitzahlen beginnen im süden hessens mit einer 6 und im norden, wo es kein weinanbaugebiet gibt mit einer 3.
die neugier war geweckt, wo liegt denn dieses ominöse rheinhessen, wenn es nicht in hessen liegt?
die recherche ergab, dass rheinhessen das gebiet zwischen mainz und worms in rheinland-pfalz bezeichnet. und das gleichnamige weingebiet ist sogar das größte in deutschland.
und warum heißt das rheinland-pfälzer gebiet dann rheinhessen? wie so oft ist der zweite weltkrieg schuld.
jahrhundertelang gehörte das gebiet zu kurmainz, der kurpfalz und zum hochstift worms. in der nach-napoleonischen zeit wurde es dem großherzogtum hessen zugeschlagen.
als neue hessische region bekam es den namen rheinhessen.
nach dem ersten weltkrieg wurde aus dem großherzogtum der volksstaat hessen. rheinhessen war immer noch dabei.
als nach dem zweiten weltkrieg die franzosen und die amerikaner ihre besatzungszonen festlegten, bot sich der rhein als natürliche grenze an und trennte damit rheinhessen vom hessischen stammland.
die gründung der bundesländer hessen und rheinland-pfalz besiegelte dann diese entwicklung.
aber der name blieb.
und was auch blieb, ist das kuriosum, dass drei stadtteile von wiesbaden den namen der gegenüberliegenden stadt mainz im namen tragen:
mainz-amöneburg, mainz-kastel und mainz-kostheim. oftmals nach den anfangsbuchstaben als akk abgekürzt.
durch die neue grenzziehung wurden die mainzer stadtteile auf der anderen rheinseite nach dem krieg von der eigentlichen mutterstadt getrennt und zwangsweise wiesbaden zugeteilt.
drei weitere ehemalige stadtteile von mainz (bischofsheim, ginsheim und gustavsburg) auf der hessischen seite wurden als eigenständige orte dem landkreis groß-gerau zugeordnet.
aber besonders in den drei akk-orten ist der wunsch nach rückkehr nach mainz auch 80 jahre nach der teilung noch präsent, diese aber trotz aller bürgerbefragungen und gutachten bis heute noch nicht durchgeführt.
was man nicht alles lernt, wenn man wein trinkt. prost!
