blogs, ein reservat für alte menschen?

24. Dezember 2025 - Lesezeit: ~1 Minute

es grassieren ja gerade wieder überall allerliebste blog-jahresrückblicke und lese-empfehlungen. wie man sieht, ist die zahl der deutschsprachigen blogger gar nicht so klein. feine sache.

aber was mir (empirischerweise) auffiel: die durchschnittliche deutsche bloggerin oder der durchschnittliche deutsche blogger haben meist schon etliche lebensjahrzehnte auf dem buckel. ü50 und ü65 sind eher die regel als die ausnahme.


gibt es überhaupt eine nennenswerte anzahl an bloggern, die nicht mit helmut schmidt oder helmut kohl als kanzler aufgewachsen sind?
ist bloggen für die generationen der zukunft so fern wie videorekorder-programmieren?
ist bloggen das neue facebook, das altenheim für social media?

oder bewege ich mich hier einfach nur in einer blase, in der die junge generation keine rolle spielt?

Nachtkatze
Geschrieben von Nachtkatze am 28. Dezember 2025
Ich gehöre zu den Leuten, die die Blogs wie sie heute sind mitentwickelt haben. Mein erstes schrieb ich, da gab es weder das Wort noch die Software dafür. Dann kam das Ding in Schwung und es entwickelte sich die "Blogosphere" - lebhafte Kommentar-Threads, aber noch viel mehr: Bloggertreffen, Bloggerlesungen, viele Treffen im wirklichen Leben - was immer uns einfiel. Diejenigen von uns, die nie aufgehört haben zu schreiben, sind logischerweise nicht mehr jung. Ich habe 1998 angefangen. Was sicher auch eine Rolle spielt: Die sogenannten Boomer sind einfach schrecklich viele und deshalb schnell - wo auch immer - überrepräsentiert. Als würde das nicht reichen, haben auch immer mehr jüngere Leute die Nase voll von den social media, die eben nicht mehr social sind, und besinnen sich auf die Form des Blogs. Der aktuelle Altersschwerpunkt wird sich also vermutlich in Richtung jung verschieben.
Elias
Geschrieben von Elias am 26. Dezember 2025
Um Bloggen zu können, muss man sich schriftlich ausdrücken können, denn das Hauptmedium jedes Blogs ist die Sprache. Das ist eine Befähigung, die in der jüngeren Generation aus vielerlei Gründen nicht mehr so gut gelernt wird. Sie wachsen in einem Umfeld auf, das von audiovisuellen Medien geprägt ist. An die Stelle der Beschreibung tritt das Zeigen, an die Stelle der Erklärung tritt eine kurzer Animation… und als alter Sack, der dem Tod schon ins kalte, knöcherne Antltz schaut, schreibe ich mal: An die Stelle der Einsicht und Erkenntnis tritt das intellektuelle Äquivalent zum Testbild. (Und ja, die Zwangsschulen in der Bundesrepublik Deutschland, die nach zwölf Jahren mit Staatsgewalt durchgesetztem Pflichtbesuch rd. zehn Prozent funktionale Analphabeten ins Leben in einer technologisch geprägten Zivilisation entlassen, machen es auch nicht besser. Menschen mit Hochschulzugangsberechtigung sind zu einem erheblichen Anteil nicht mehr dazu imstande, einen gehobenen Zeitungsartikel etwa aus SZ oder FAZ inhaltlich aufzufassen und kurz zusammenzufassen. Das ist bei den PISA-Tests rausgekommen. Aber schön, dass sie sich jetzt im Studium von der so genannten »künstlichen Intelligenz« helfen lassen können! Es sind nicht nur die Blogs ein sterbendes Medium.)
Areal
Geschrieben von Areal am 26. Dezember 2025
In Deutschland spielt die junge generation generell keine ausgeprägte rolle; wir sind eines der ältesten Länder der Welt. Wolf Jäger, der in seiner Antwort oben von Lebenserfahrung und Tiefgründigkeit fantasiert, gibt weitere Hinweise: Blogs sind die eitelsten Medien, die das Netz zu bieten hat.
Tommi
Geschrieben von Tommi am 25. Dezember 2025
Jetzt, wo Du es so schreibst, da ist schon was dran. In meine. RSS-Feed sind wohl die meisten mindestens Ü40 und ich bin ja auch schon ein alter Sack,
Hallo
Geschrieben von Hallo am 25. Dezember 2025
Ist vermutlich eine Blase.
Wolf Jäger
Geschrieben von Wolf Jäger am 24. Dezember 2025
Ich denke, das man etwas Lebenserfahrung braucht um zu bloggen- und die haben junge Menschen (noch) nicht. Dann ist da auch noch die Abkehr von "social Media", die bei älteren Menschen verbreiteter ist. Dann ist da auch noch eine Tiefgründigkeit erforderlich und Freude am schreiben/ fotografieren. Meiner Meinung nach wird es Blogger weiterhin geben, aber die Meisten sicherlich älter als 45 Jahre.
Robert
Geschrieben von Robert am 24. Dezember 2025
Ü50 und ü65: nein, da zähle ich mich nicht dazu. Helmut Schmidt, nein, auch den habe ich nicht live miterlebt. Allerdings, Helmut Kohl war Kanzler während meiner ersten 16 Lebensjahre... Und somit ist auch klar, dass ich auch bereits gute 4 Jahrezehnte hinter mir habe.